Transaktionsanalyse

Wie uns eine psychologische Theorie im Alltag helfen kann …​

…heute: Die Transaktionsanalyse​

Vom Begriff her scheint es, als würden wir mit der kompliziertesten Theorie anfangen, aber ihr werdet sehen: Transaktionsanalyse ist nur ein sperriger Begriff. Dahinter steht etwas, das uns helfen kann, Kommunikation zwischen Menschen besser zu verstehen und so Konflikte zu vermeiden.

Das hilft einem privat und auch bei der Arbeit. Also: Der Erfinder dieser Theorie – Eric Berne – geht davon aus, dass jeder Mensch in Konflikten auf verschiedenen Ebenen handeln oder verstanden werden kann.

Für einen gut gelösten Konflikt ist es optimal, wenn beide Kommunikationspartner auf der Erwachsenen-Ebene Informationen austauschen und versuchen, eine gute Lösung zu finden. Häufig passiert es aber, dass einer die Rolle, in der er angesprochen wird, verlässt oder sich nicht auf dieser angesprochen fühlt oder, dass schon die erste Frage nicht auf einer sachlichen Erwachsen-Ebene formuliert ist:

„Wie spät bist du denn gestern nach Hause gekommen?“

Wird dies nicht als sachliche Frage aus dem Erwachsenen-Ich gehört, sondern der andere fühlt sich als Kind-Ich angesprochen, so hört man in dieser Frage schnell weitere Fragen wie: „Was fällt dir denn ein? Da ist wohl die Sauftour mit deinen Jungs richtig eskaliert, was?“ Diese Fragen werden als Fragen aus dem Eltern-Ich empfunden.

Antwortet jetzt der Angesprochene auf der Ebene „angepasstes Kind“ würde er sich vielleicht entschuldigen, um den Partner oder die Partnerin zu besänftigen: „Ich verspreche auch, dass das nie wieder vorkommt.“ Dadurch eskaliert zwar der Konflikt nicht, aber ein Gespräch auf Erwachsenen-Ebene ist das natürlich nicht.

Noch mehr würde die Situation eskalieren, wenn der Angesprochene nun ebenfalls auf die Eltern-Ich-Ebene geht und seinerseits den anderen wie ein Kind behandelt. Im unteren Teil der Grafik ist diese Transaktion zu sehen.

„Jetzt sei du mal ganz still, wenn du dich mehr um dein eigenes Sozialleben kümmern würdest, bräuchtest du nicht neidisch sein. Überhaupt … wie redest du denn mit mir?“ Und schon wäre der Kriegsschauplatz eröffnet.

Hätten sich beide Kommunikationspartner auf einer gleichberechtigten Erwachsenen-Ebene befunden, hätte das Gespräch vielleicht so ausgesehen:

„Wie spät bist du denn gestern nach Hause gekommen? Ich hatte mir schon ein bisschen Sorgen gemacht.“

„Ja, tut mir leid. Mein Handy war alle und wir hatten auch echt viel Spaß. Hatten uns ja alle lange nicht gesehen. Das nächste Mal, sage ich auf jeden Fall Bescheid, wenn es so richtig spät wird. Du brauchst dann ja nicht auf mich warten.“

Versucht also einmal genau hinzuhören, auf welcher Ebene ihr euch zu Beginn eines Konfliktes befindet und achtet darauf, dass Ihr euch immer in einer parallelen (oder auch komplementär genannten) Transaktion/ Kommunikation befindet.

Beide auf derselben Ebene?

Gelungene Kommunikation findet in der Regel nur dann statt, wenn beide Personen aus derselben Ich-Position sprechen. Ist es eine überkreuzte Transaktion, kommt es wahrscheinlich zu einem Konflikt: So wie in dem ersten Beispiel – wenn also jemand in einer anderen Ich-Position als erwartet oder als angesprochen wurde, antwortet.

Natürlich können Kommunikationspartner auch miteinander in der Kind-Position miteinander sprechen, wenn zum Beispiel ein Pärchen im Urlaub in ihrem freien Kind-Ich davon schwärmt auszuwandern. Dies ist im oberen Teil der Grafik zu sehen. Solange beide wissen in welcher Position sie sind, ist alles wunderbar. Wechselt jedoch einer, zum Beispiel in das Erwachsenen-Ich (stellt zum Beispiel Rechnungen auf) oder in das Eltern-Ich (und erzählt von dem Risiko und den Gefahren), dann fühlt sich der andere schnell missverstanden. „Man kann ja wohl noch träumen oder?“ Ja, auf jeden Fall – wenn beide aus derselben Position sprechen!

In einem Konflikt ist es sinnvoll, im Erwachsenen-Ich zu bleiben. Verlasst Ihr diese Position und es fällt euch auf, dann bin ich mir sicher, dass ihr es dann noch schafft, auf die Erwachsenen-Ebene zu wechseln. Und natürlich könnt ihr auch eurem Lieblingskonfliktpartner von der Transaktionsanalyse erzählen und so dann künftig beide darauf achten.

Ich wünsche euch einen sehr friedlichen Sommer!

Eric Berne
Konflikte